Neues Theater/Oper – deutscher Text

Bevor 1831 (andere Quellen sagen 1835) das Grimmaische Tor, eines von Leipzigs vier inneren Stadttoren, abgerissen wurde, befand sich das Areal des heutigen Augustusplatzes noch außerhalb der Stadt. Vor den Toren der Stadt lagen die alten Befestigungsanlagen mit Stadtgraben und Wällen, die bereits ab 1763 geschleift wurden.

Vor dem Grimmaischen Tor entstand unter Baudirektor Johann Karl Friedrich Dauthe ein Park im englischen Stil mit geschwungenen Wegen und Baumgruppen sowie einem künstlich aufgeschütteten Hügel, Schneckenberg genannt. Ein Teil des Stadtgrabens wurde dabei offen gelassen, so dass ein kleiner Teich entstand. Dieser Park war 1785 fertiggestellt.

 

 

Der bei den Leipzigern sehr beliebte Schneckenberg wurde in den 1860ern abgetragen, um Platz zu schaffen für den Bau des Neuen Theaters.

 

 

Das Neue Theater wurde in den Jahren 1864 – 1867 nach den Plänen des Architekten Carl Ferdinand Langhans im spätklassizistischen Stil an der Nordseite des Augustusplatzes errichtet. In den Parterreräumen rechts und links befanden sich ein Restaurant und ein Cafe.

 

 

Es wurde am 28.1.1868 eröffnet mit einer Aufführung von Goethes “Iphigenie auf Tauris”. Das Neue Theater hatte 1700 Sitzplätze und 300 Stehplätze (!) und mein Grieben Reiseführer von 1913 listet folgende Preise auf:

 

Preise

 

Griebens Reiseführer erklärt außerdem, dass die drei Fahnenmasten vor dem Theater für die Fahnen von Deutschland, Sachsen und Leipzig gedacht waren.

 

Neues Theater 16.9.1912

 

Vor dem Haupteingang standen rechts und links zwei Kolossalstatuen, die Musen Thalia und Melpomene darstellend, von einem Leipziger Bildhauer namens Knauer geschaffen. Sechs korinthische Säulen trugen den Giebel, über welchem sich eine Statue des Apollo befand, zu seinen Füßen die Musen Klio und Kalliope.

 

 

Hier fehlen Thalia und Melpomene. Sind wahrscheinlich ins Café gegangen 😉

 

 

Bei der hinteren Ansicht treten an die Stelle der sechs korinthischen Säulen nun sechs Karyatiden. Vor dem Gebäude befand sich eine halbkreisförmige Terasse, von welcher zu beiden Seiten 44 Stufen zum Schwanenteich hinabführten. 

 

 

Ein Löwenkopf an dieser Terrasse spie einen Wasserstrahl in eine von Schildkröten getragene Muschel, von welcher das Wasser in den Teich ablief. Außerdem gab es eine Wasserfontäne.

 

Neues Theater Rückseite

 

 

Der Schwanenteich wurde von den Leipzigern im Winter gerne zum Schlittschuhlaufen genutzt (als es noch Winter gab!)

 

 

Schwanenteich Luftaufnahme

 

Um wiederum meinen Grieben Reiseführer von 1913 zu zitieren: Die Gesamtkosten für den Bau beliefen sich auf rund 2 Millionen Mark. Nun weiß ich leider nicht, wieviel das in heutiger Währung wäre, aber es klingt nach ganz schön viel 😉

Hier noch zwei schöne Nachtaufnahmen des Theaters:

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Auch das Neue Theater wurde beim Luftangriff vom 4.12.1943 zerstört.

 

 

 

 

Teile des Skulpturenschmuckes wurden gerettet und 1993 wurden Reste des Typanonfrieses, der sich am Frontgiebel befand, an der Westseite der heutigen Oper aufgestellt.

 

Quelle: Geisler MartinTympanon-FriesCC BY-SA 3.0

 

Im Jahre 1950 wurden die Trümmer des Neuen Theaters abgetragen.

 

Neues Theater Abbruch der Ruine

Quelle: Von Deutsche Fotothek‎, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6537564

In den Jahren 1956 – 1960 wurde das jetzige Opernhaus nach Plänen von Kunz Nierade und Kurt Hemmerling errichtet. Meiner Meinung nach eines der wirklich gelungenen Neubau-Projekte der DDR. Der Augustusplatz war nun in Karl-Marx-Platz umbenannt worden.

 

 

Schon als Kind besuchte ich zu Weihnachten dieses Haus mit meinem Vati und meiner größeren Schwester um die Aufführung von Engelbert Humberdincks Oper “Hänsel und Gretel” zu sehen, was immer sehr schön war. In weniger guter Erinnerung habe ich, dass man an dem Treppengeländer immer einen “Patsch” bekam. 😉

Die Oper heute. Der Platz heißt nun auch wieder Augustusplatz.

Quelle: IchwarsnurOpernhaus Leipzig Abend NachtCC BY-SA 4.0


 

Hier noch ein noch lesenswerter Blogbeitrag über Leipzigs Opernhaus mit Fotos, auch aus dem Innenbereich mit den schönen Lampen.